Münchner U-Bahn-Blog

8. Mai 2010

Paolo Nestler – Ein Nachruf

Abgelegt unter: Geschichte, U-Bahnhöfe — Florian Schütz @ 22:26

Vor wenigen Wochen ist einer der Pioniere der Münchner U-Bahn im Alter von 89 Jahren gestorben: Professor Paolo Nestler. Obwohl der Name vermutlich wenigen etwas sagt, kennt jeder Münchner zahlreiche seiner Bauwerke: Paolo Nestler zeichnet sich für eine Vielzahl an U-Bahnhöfen in München verantwortlich, darunter fast alle des 1971 eröffneten ersten Abschnitts der U6.

Die Liste der Bahnhöfe, für deren Gestaltung er sich verantwortlich zeichnet, ist lang:



Die meisten davon sind Teil der gemeinsamen Strecke der U3 und U6, bis auf Mangfallplatz sind sogar alle Teil der U6. Diese Linie ist also in besonderer Weise vom Werk Paolo Nestlers geprägt. Aus heutiger Sicht wirken viele der Bahnhöfe immer noch optisch ansprechend, auch wenn sie mittlerweile fast 40 Jahre alt sind. Anders als bei den ebenfalls sehr gleichartig gestalteten Bahnhöfen der 1980 eröffneten U8/1 haben sie einen gewisse Nüchternkeit behalten, die nicht altbacken wirkt. Die farbenfrohen Unterscheidungsmerkmale der großflächig mit glasierten Keramikelementen verkleideten Säulen wirken als frische Farbklekse als heiterer Kontrapunkt zu den sonst oft grauen Wänden.
Mit seinem Gestaltungsvorschlag gewann er im Dezember 1965 den ersten Preis des ausgelobten Architektenwettbewerbs. Sein Konzept der zweckmäßig und schlicht eingerichteten Bahnhöfe zusammen mit der einfachen Unterscheidungsmöglichkeit der Bahnhöfe durch Farb- und Formkodierung der Säulen konnte die Jury überzeugen.

Am Klinikum Großhadern hat Paolo Nestler am südlichsten Bahnhof der U6 nochmals ein Zeichen gesetzt: in der Tradition der Innenstadtbahnhöfe sind auch hier die Säulen großflächig verkleidet, die Decken mit Querschürzen versehen sowie die Wände mit großen Wandpaneelen verkleidet. Im Zeichen der Zeit hat er den Bahnhof jedoch deutlich farbenfroher gestaltet.

Am Mangfallplatz wiederum ist ihm durch Zurücknahme der Gestaltungmerkmale konzentriert an einige Stellen etwas ganz anderes gelungen: eine grandiose Raumwirkung, die Betonung der Zugangsanlagen mit freundlichen Farben sowie eine interessante Decken- und Lichtgestaltung kombiniert mit der nüchternen Wirkung der originalbelassenen Bohrpfahlwände runden das positive Gesamtbild ab.

Doch nicht nur mit U-Bahnhöfen hat sich Paolo Nestler im Münchner Stadtbild verewig. Der 1920 in Bergamo geborene Architekt, Raumplaner und Designer zeichnet sich auch verantwortlich für den 1956-1958 errichteten Erweiterungsbau des Deutschen Museums, die Innengestaltung des Hypo-Hauses sowie die Zentrale der Kreissparkasse am Sendlinger-Tor-Platz. International am bekanntesten ist vermutlich die Innengestaltung sowie die Möbelentwürfe für das Foyer des UN-Sicherheitsrats in New York City.

Den Münchnern wird Paolo Nestler vermutlich noch viele Jahrzehnte in Form seiner U-Bahnhöfe erhalten bleiben. Denn bei den kommenden Renovierungen der alternden Bauten wird nicht so viel Aufwand betrieben werden wie bei der Umgestaltung des U-Bahnhofs Münchner Freiheit, der aus mehreren Gründen aufgewertet werden sollte.
Wer in der nächten Zeit durch einen der oben abgebildeten Bahnhöfe kommt, sollte vielleicht einen Moment inne halten und das Bauwerk etwas auf sich wirken lassen.

21. April 2010

Jubiläen

Abgelegt unter: Geschichte — Florian Schütz @ 21:03

Zugzielanzeiger mit Ziel "Partyzug"Wenn’s ums Feiern geht, sind ja die meisten Menschen immer gerne dabei, auch wenn sie oft gar nicht wissen, was es eigentlich zu Feiern gibt. Im U-Bahn-Bereich sind Feiern allerdings eher selten, weswegen man hier die Anlässe sorgfältig im Kalender stehen haben sollte. U-Bahn-Eröffnungen werden nach der diesjährigen der U3 nach Moosach gegen Ende des Jahres vermutlich erst mal rar werden, Tunneltaufen, Richtfeste ähnliches ebenso. Party-U-Bahnen gibt es zwar gelegentlich, aber doch eher selten und auch immer nur für relativ wenig Teilnehmer.

Angesichts dieses doch eher geringen Feierpotenzials im U-Bahn-Bereich möchte ich den Blick ein wenig in Richtung Jubiläen lenken, die vielleicht nicht alle gefeiert, aber zumindest eines Gedankens gewürdigt werden sollten. So große Zahlen wie in Berlin, Paris, London oder New York gibt es in München zwar nicht, aber trotzdem können wir Münchner auch ruhig das eine oder andere Jubiläum begehen.

Bahnsteig Marienplatz im Jahr 1974 mit alter Möblierung und ZugzielanzeigernMarienplatz in den 1970ern40 Jahre U-Bahn wird uns im kommenden Jahr ins Haus stehen, nachdem am 19. Oktober 1971 mit U-Bahn-Wagen 105 der Betrieb auf der U6 aufgenommen wurde. Ob und wenn ja, welche Feierlichkeiten die MVG und/oder das Baureferat vor hat, ist derzeit noch unklar. Ob Wagen 105 oder doch eher der älteste Prototyp-Wagen 091 eine Jubiläumsfahrt antreten, wird man noch sehen.

Einige Jubiläen im Bereich der 40 Jahre Münchner U-Bahn sind größtenteils unbemerkt ohnehin schon verstrichen:

  • 1. Februar 1965: Erster Rammschlag zum Bau der Münchner U-Bahn am Nordfriedhof
  • 6. Juli 1967: Erste Testfahrt auf der U6 zwischen Alte Heide und Studentenstadt
  • 5. Oktober 1968: 26.000 Münchner fuhren beim Tag der offenen Baustelle erstmals mit den neuen U-Bahn-Zügen
  • November 1969: Testbetrieb zwischen Studentenstadt und Münchner Freiheit

Nicht ganz so aus der Baugeschichte Münchner U-Bahn, aber dennoch Meilensteine für das Wachstum des Münchner U-Bahn-Netzes waren auch die zahlreichen Streckeneröffnungen, hier die Jubiläen der nächsten Wochen (Danke an Harald Ammon für die Zusammenstellung):

Eine Übersicht über alle Eröffnungen und einige weitere Daten findet sich übrigens im Bereich Geschichte unter Zeittafel, die interaktive Karte bietet eine grafische Übersicht über das Netzwachstum.